{"id":671,"date":"2018-06-01T02:33:32","date_gmt":"2018-06-01T02:33:32","guid":{"rendered":"http:\/\/mostly-harmless.org\/?p=671"},"modified":"2018-06-01T02:33:32","modified_gmt":"2018-06-01T02:33:32","slug":"dschungelcamp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mostly-harmless.org\/?p=671","title":{"rendered":"Dschungelcamp"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber die letzten 5 Tage war ich im Dschungel Nord-Guatemalas, ein Trek \u00fcber 100 km. Das Klima war streng, 35 Grad und 85% Luftfeuchtigkeit; nachts 30 Grad und 100%. Ziel waren die Ruinen von Mirador, der ehemaligen Hauptstadt der Maya in der Zeit um 150 vor Christus. Unten folgt das Tagebuch dieser Tage, leider mit sehr wenigen Bildern, da meine Kamera endg\u00fcltig den Geist aufgegeben hat und Reparatur hier praktisch unm\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Tag 1<br \/>\nUm 5 Uhr holte uns Antonio vom Hostel an und brachte uns innert 3.5 h nach Carmelita, der n\u00f6rdlichsten Stadt vor dem Dschungel. Nach einem Fr\u00fchst\u00fcck im Dorf machten wir uns auf den Weg f\u00fcr die erste Etappe \u00fcber 18 km. Unsere Gruppe bestand aus zwei israelischen Geschwistern, die ich mit ihren ins Deutsche \u00fcbersetzen Namen nenne, da ich kein Hebr\u00e4isch schreiben kann, und einer Franz\u00f6sisch Kanadierin; Schwalbe, L\u00f6wenbaby und Lucie. Unser Team waren Walter, ein Parkranger, der in Carmelita aufgewachsen ist und jedes Gras und Tier mit Namen und Ruf kennt, Henry, dem Mulif\u00fchrer, und Luki, der K\u00f6chin (irgendwer muss ja drei Mal am Tag die Bohnen zerstampfen).<br \/>\nAuf dem Weg lernten wir Maya-Heilpflanzen kennen (Pfefferbl\u00e4tter bei Zahnweh; Guayababl\u00e4ttertee bei Durchfall, Bl\u00e4tter eines lokalen Baumes, die man raucht bei schlechter Laune, Pilze die man isst bei Mangel an Vorstellungskraft&#8230;) und sahen einige interessante Tiere; eine gr\u00fcne Schlange, super bunte Dschungeltruten und Spinnenaffen, fiese kleine Zeitgenossen, die die \u00c4ste sch\u00fctteln sodass m\u00f6glichst viel auf einen herunterf\u00e4llt, wenn man darunter durchl\u00e4uft. Falls das nicht reicht, brechen sie \u00c4ste ab und werfen damit nach einem. Es war ein Genuss, einen auf einem jungen Baum zu sehen; den konnte ich ordentlich durchsch\u00fctteln und sein Gekreische, als er sich auf einen anderen Baum fl\u00fcchtete, war sehr befriedigend. Auf dem Weg kamen uns einige Muli-Z\u00fcge mit Equipment und Funden der Arch\u00e4ologen entgegen. Als wir hinter uns Motorenger\u00e4usch h\u00f6rten, sahen wir voller Entsetzen einen Parkranger, der den ersten Teil des Wegs mit seinem hochgestellten Pickup (nat\u00fcrlich ein Hilux) bestritt; voller Begeisterung lud er uns ein, auf seiner Ladefl\u00e4che mitzufahren. Um seinen Enthusiasmus nicht zu tr\u00fcben, liessen wir uns auf das Abenteuer ein; wenig schneller als zu Fuss, aber mit weit mehr blauen Flecken lud er uns nach vier Kilometern wieder ab und ich war froh, wieder laufen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nKurz vor dem ersten Camp erreichten wir die Ruinen von Tintal, eine kleine Stadt, welche das gr\u00f6sste Fussballfeld der Maya besass. Ich h\u00e4tte als Maya eine langj\u00e4hrige Karriere in diesem Sport haben k\u00f6nnen; die Gewinner wurden rituell gek\u00f6pft.<br \/>\nNach dem Abendessen (aufgew\u00e4rmtes Guatemala Fried Chicken und gestampfte Bohnen) fiel ich ersch\u00f6pft in meine H\u00e4ngematte, welche in starkem Kontrast zu ihrem Hi-Tech-Look mit einem Grussmutterfliegennetz (s. Galerie) versehen wurde, das wir auf dem Muli mitgebracht hatten. <\/p>\n<p>Tag 2<br \/>\nMit dem ersten Sonnenlicht um f\u00fcnf Uhr standen wir auf, um m\u00f6glichst viel der 23 km zum n\u00e4chsten Camp in der relativen K\u00fchle des Morgens zu schaffen. Gest\u00e4rkt durch die gestampften Fr\u00fchst\u00fccksbohnen kamen wir um 14:30 an, nachdem wir einen kurzen Zwischenstopp in den Ruinen vom Dorf Muerte machten, das nach dem Exodus aus Mirador noch weiter bestand. Die Einwohner von Mirador wurden in durch zwei benachbarte St\u00e4mme aus Tikal nahezu komplett versklavt oder get\u00f6tet; dieser Zeitpunkt markiert das Ende der pr\u00e4klassischen \u00c4ra der Maya und ist belegt durch 300 Obsidianspeerspitzen, die von der Schlacht zeugen und einer grossen Inschrift im Grundgestein, welche der Bruder von Antonio fand und eines der wichtigsten Zeitzeugnisse der Maya-Geschichte ist. Sie ist lokalisiert an einer Kreuzung von Mayastrassen und erz\u00e4hlt die Geschichte des Stammes und welche G\u00f6tter sie anbeten, sodass Fremde auf der Durchreise wissen, mit wem sie es zu tun haben.<br \/>\nAlles in allem hat das Laufen auf diesen Pfaden wenig interessantes zu bieten, da man keine Aussicht hat, der Dschungel \u00fcberall gleich ist und man sich sehr auf den Untergrund konzentrieren muss. Ich fand es einzig sehr verst\u00f6rend, wie meine von Europa gepr\u00e4gte Erwartung, in T\u00e4lern Wasser zu finden, konsequent entt\u00e4uscht w\u00fcrde&#8230;<br \/>\nDas Camp ist ausgelegt f\u00fcr 300 Leute, welche aber aufgrund der Wasserversorgung nur w\u00e4hrend der Regenzeit im Sommer dort arbeiten k\u00f6nnen; da es ausser uns weit und breit keine Touristen hatte, waren wir im Camp alleine mit 4 Parkrangern. Wie jeden Abend auf dem Trip verabschiedeten wir uns von der Spitze einer Mayapyramide von der Sonne, assen noch zunacht (Suppe! Ohne Bohnen!) und gingen fr\u00fch ins Bett. Der Vollmond leuchtete durch die Baumkronen, sodass ich von meiner H\u00e4ngematte aus ein Rudel Br\u00fcllaffen in den Baum, an dem ich meine H\u00e4ngematte angebunden hatte, einziehen sehen konnte, bevor ich einschlief. Entr\u00fcstet \u00fcber den Mangel an Aufmerksamkeit begannen sie auch bald mit ihrer n\u00e4chtlichen Lieblingsbesch\u00e4ftigung: einen H\u00f6llenl\u00e4rm machen. Da man sie \u00fcber Kilometer weit im Dschungel h\u00f6ren kann, stimmten die benachbarten Rudel auch mit ein. Dieses Spektakel in freier Natur sehen und h\u00f6ren zu d\u00fcrfen, ist den Mangel an Schlaf easy wert!<\/p>\n<p>Tag 3<br \/>\nDiesen Tag verbrachten wir mit dem Erkunden der Mayaruinen und lernten viel \u00fcber die Geschichte der Maya, sowie eine \u00fcber 2000 Jahre alte Saga (Popolvhu). Nachts fielen mir mit der Stirnlampe die unglaublich vielen Augenpaare auf, die mir vom Boden aus zur\u00fcckleuchteten; nachtaktive Spinnen, 5-10\/m2. <\/p>\n<p>Tag 4<br \/>\nR\u00fcckweg; 9 L Wasser getrunken und einmal gepinkelt, gesch\u00e4tzte 50 mL&#8230; Es war heisser und schw\u00fcler als zuvor. Nach einer kurzen Siesta schauten wir noch Apocal\u00edptico, Mel Gibson&#8217;s Film \u00fcber die Maya. Ich w\u00fcrde ihnen einem Vakuum nicht empfehlen, aber in dem Umfeld war es ertr\u00e4glich. Zum Abendessen fragte uns Luki, ob wir auch Weizenmehl essen. Etwas verst\u00f6rt bejahten wir die Frage und fragten unsererseits, warum nicht; scheints macht das dick. Prinzipiell korrekt, aber bisher gab es immer Maistortillas und Sirup&#8230;<\/p>\n<p>Tag 5<br \/>\nAuf der letzten Etappe legten wir ein rechtes Tempo an. Wie sich auf dem Weg offenbarte, musste Walter abends wieder zur\u00fcck in Mirador sein; das bedeutete f\u00fcr ihn, nach den 18 km mit uns nochmals 18+23 km zur\u00fcck zu Fuss.. 60 km an einem Tag auf diesen Pfaden, grosser Respekt!<br \/>\nWieder im Hostel duschte ich f\u00fcr geschlagene 45 min (das Hostel ist auf einer kleinen Insel, sodass ich wegen dem Wasserverbrauch kein allzu schlechtes Gewissen haben musste) und machte eine Siesta im Zimmer mit A\/C. Abends trafen wir uns nochmal und machten einen drauf mit k\u00fchlen Bieren.<br \/>\nAm eindrucksvollsten war das Gef\u00fchl, wie schnell der Minibus auf der asphaltierten Strasse vorw\u00e4rts kam, nachdem wir die letzten Tage so m\u00fchsam vorw\u00e4rts kamen und die erste H\u00e4lfte des Fahrtwegs auf schlechten Strassen auch sehr langgezogen war.<\/p>\n<p>Tag 6<br \/>\nDer Tag danach. Das einzig produktive war das Aufstechen und Austrocknen meiner Blasen, ansonsten lag ich im k\u00fchlen Zimmer und spielte Games auf meinem Tablet =)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die letzten 5 Tage war ich im Dschungel Nord-Guatemalas, ein Trek \u00fcber 100 km. Das Klima war streng, 35 Grad und 85% Luftfeuchtigkeit; nachts 30 Grad und 100%. Ziel waren die Ruinen von Mirador, der ehemaligen Hauptstadt der Maya in der Zeit um 150 vor Christus. Unten folgt das Tagebuch dieser Tage, leider mit sehr wenigen Bildern, da meine Kamera endg\u00fcltig den Geist aufgegeben hat und Reparatur hier praktisch unm\u00f6glich ist. Tag 1 Um 5 Uhr holte uns Antonio&#8230;<\/p>\n<p class=\"read-more\"><a class=\"btn btn-default\" href=\"https:\/\/mostly-harmless.org\/?p=671\"> Read More<span class=\"screen-reader-text\">  Read More<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":666,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mostly-harmless.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/671"}],"collection":[{"href":"https:\/\/mostly-harmless.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/mostly-harmless.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mostly-harmless.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mostly-harmless.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=671"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/mostly-harmless.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/671\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":673,"href":"https:\/\/mostly-harmless.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/671\/revisions\/673"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mostly-harmless.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/666"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mostly-harmless.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=671"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/mostly-harmless.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=671"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/mostly-harmless.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=671"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}